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RWSG · Vereinsgeschichte

Die aufregenden Gründungsjahre der RWSG

Ein persönlicher Rückblick auf Mut, Begeisterung und eine Entscheidung, die den Verein bis heute bewegt. Erzählt von Dr. med. Alexander Maucher
Gründungsmitglied der RWSG

Porträt von Dr. med. Alexander Maucher
Dr. med. Alexander Maucher Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der RWSG

Ein Blick zurück

Der Zülpicher See hätte 1976 Eigentum unseres Vereins werden können

Was als spontane Idee unter einigen Windsurfern begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer außergewöhnlichen Vereinsgeschichte.

26. August 1976

Ein Verein entsteht am Ufer des Zülpicher Sees

Unser Verein wurde am 26. August 1976 an einem sonnigen Nachmittag auf dem Ufer des Zülpicher Sees gegründet. Windsurfen war gerade vier Jahre zuvor von Kalifornien nach Europa gekommen. Die Windsurfer suchten sofort überall nach Gewässern, auf denen sie ihren Sport ausüben konnten. Schlagartig tauchten sie auf diversen Gewässern auf, auf denen bis dahin gar nicht gesegelt wurde.

Natürlich gab es Bestrebungen, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Dieter Weber hatte die Idee, für den Fühlinger See in Köln eine Unterschriftensammlung durchzuführen, und schlug mir vor, das Gleiche in Zülpich zu versuchen. Das war der erste Anstoß.

Für Zülpich machte eine Unterschriftensammlung aber keinen Sinn. Wem hätte man eine solche Liste vorlegen sollen? Es war völlig unklar, wer überhaupt für den See zuständig war. Es gab keinerlei Aufsicht. Unter uns Surfern kursierte das Gerücht, dass der See nicht öffentlich war und irgendwann mit dem Einschreiten einer Ordnungsbehörde gerechnet werden musste.

Als ich an diesem schönen Nachmittag am Ufer herumlief und die Gründung eines Vereins als Interessenvertretung zur Diskussion stellte, stieß ich bei einem Teil der Anwesenden auf Ablehnung. Windsurfen war kostenlos, und man hatte die berechtigte Sorge, dass sich das durch einen am See etablierten Verein ändern könnte.

Andererseits hielt ich es für illusorisch zu glauben, dass sich die traumhafte Situation über einen längeren Zeitraum nicht ändern würde. Irgendjemand musste der Besitzer des Zülpicher Sees sein und würde irgendwann einschreiten. Um diese Dinge zu klären, hielt ich die Organisation der Windsurfer in einer Interessenvertretung beziehungsweise einem Verein für sinnvoll.

Es gelang mir, ein paar Leute an einem Zelt zusammenzutrommeln, das der Apotheker Nacken aus Brühl für das Wochenende am Ufer aufgebaut hatte. Ein Jurist aus Bensberg erklärte uns, was man für eine Vereinsgründung benötigte: sieben Gründungsmitglieder, eine Satzung und einen Vorstand. Okay, das bekamen wir hin.

7 Gründungsmitglieder waren erforderlich
120 Teilnehmer kamen zur ersten großen Präsentation
5 DM betrug später der symbolische Kaufpreis für den See
15. Oktober 1976

Die RWSG beginnt mit ihrer Interessenvertretung

Die RWSG ging an den Start und begann konzentriert mit der Interessenvertretung.

Die erste Aktion war eine Präsentation unseres Sportes für die obere Forstbehörde und die Stadt Brühl auf dem Bleibtreu-See am 15. Oktober 1976, also tief im Herbst. Wir machten überall Werbung und rechneten mit etwa 20 Teilnehmern. Es kamen sage und schreibe 120!

Nachdem wir in Brühl und Köln beim Sport- und Bäderamt offene Türen eingerannt hatten, nahmen wir uns als überregionaler Verein den Zülpicher See vor. Jetzt wurde es interessant. Zu unserer Enttäuschung reagierte die Stadt auf keines unserer Schreiben.

Was wir nicht wussten, war die Tatsache, dass die Stadt selbst völlig ratlos war. Der See gehörte nicht ihr, sondern einer privaten Firma, der Victor Rolff KG, die dort Braunkohle abgebaut hatte. Das Auffüllen der Grube mit Wasser über einen Bach war Teil der Rekultivierung, zu der die Firma verpflichtet war.

Victor Rolff war CDU-Mitglied und lebte zurückgezogen auf einer Wasserburg in Vettweiß. Die Stadt Zülpich war SPD-regiert, und es gab keinerlei Kontakt zwischen Victor Rolff und beiden Seiten.

Es wurde uns schnell klar, an wen wir uns zu wenden hatten. Ein Verwandter meines Vaters war der berühmte Otto Maigler, nach dem der See in Hürth benannt ist. Seine Tochter war meine Patentante. Beide zählten zum engeren Bekanntenkreis von Victor Rolff. Schnell bekam ich die Informationen, die ich brauchte.

Wir brauchten Unterstützung durch die CDU, nicht durch die Stadt Zülpich. Der Vater von Ulli Müller-Frank war Bürgermeister von Bensberg und prominentes CDU-Mitglied. Er aktivierte den Bundestagsabgeordneten der Region, ebenfalls CDU. Beide schrieben Victor Rolff an und machten sich zu unseren Fürsprechern.

Der Erfolg war sensationell. Wir erhielten eine Einladung zum Grundstücksverwalter der Firma, Herrn Gilka. Dieser Termin wurde sorgfältig vorbereitet und war ein voller Erfolg. Herr Gilka setzte sich fortan für uns Windsurfer ein.

„Victor Rolff bot mir zum symbolischen Preis von 5 DM die Übernahme des Zülpicher Sees mit allen Uferbereichen und Gebäuden an.“

Dr. med. Alexander Maucher über das überraschende Telefonat im November 1976

November 1976

Ein persönlicher Anruf und eine einmalige Chance

Jetzt kommt eine wirklich unglaubliche Geschichte. An einem Nachmittag im November erhielt ich während der Arbeit im Krankenhaus Porz einen Telefonanruf von Victor Rolff persönlich.

Wir haben uns eine Stunde lang sehr nett unterhalten. Herr Rolff, damals etwa 45 Jahre alt, erzählte mir von den Problemen, die er mit dem Rückbau seiner Braunkohlenfirma hatte. Das Telefonat endete mit einer Sensation: Victor Rolff bot mir zum symbolischen Preis von 5 DM die Übernahme des Zülpicher Sees mit allen Uferbereichen und Gebäuden an.

Diese Geschichte glaubt mir heute, 50 Jahre später, kaum noch jemand, aber sie ist tatsächlich wahr. Vorbei an der Stadt Zülpich und allen Behörden sollte die Rheinische Windsurfing Gemeinschaft e. V. der erste Surf- oder Segelclub der Welt mit einem eigenen See werden.

Was bewegte Herrn Rolff zu diesem unglaublichen Schritt? Er hat es mir genau erklärt. Man wollte die Braunkohlenfirma zum Abschluss bringen und wurde durch die Landschaftsschutzbehörden zu allerlei verpflichtet. Die RWSG würde mit dem Kauf des Sees und des Ufers mit allen Gebäuden vertraglich auch alle Verpflichtungen der Victor Rolff KG übernehmen. Was für eine einmalige Chance!

Die Entscheidung der Mitgliederversammlung

Ich hätte als erster Vorsitzender das Recht gehabt, im Namen des Vereins einfach zu unterschreiben. Mir war aber klar, dass die Verwaltung eines solch großen Gewässers und seiner Ufer eine Menge Verantwortung bedeuten würde. So beschloss ich, die Zustimmung einer Mitgliederversammlung einzuholen.

Die Abstimmung verlief sehr hitzig und kontrovers. Am Ende wurde das Angebot von Victor Rolff mit wenigen Stimmen abgelehnt.

Bis heute bin ich trotz der günstigen Entwicklung in den zurückliegenden 50 Jahren der Meinung, dass dies ein riesiger Fehler war.

Eine Entscheidung mit Folgen

Fortan bezahlten wir jährlich eine Pacht von vielen tausend Euro, statt vom Segelclub und dem Angelsportclub eine Pacht einzuziehen. Fast wäre auf dem See eine Wasserskianlage installiert worden. Jahrzehnte später erwarb die Stadt Zülpich den See für zwei Millionen Euro.

Dr. med. Alexander Maucher Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der RWSG
Rheinische Windsurfing Gemeinschaft e. V. · Vereinsgeschichte