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26. August 1976
Ein Verein entsteht am Ufer des Zülpicher Sees
Unser Verein wurde am 26. August 1976 an einem sonnigen Nachmittag
auf dem Ufer des Zülpicher Sees gegründet. Windsurfen war gerade vier Jahre
zuvor von Kalifornien nach Europa gekommen. Die Windsurfer suchten sofort
überall nach Gewässern, auf denen sie ihren Sport ausüben konnten.
Schlagartig tauchten sie auf diversen Gewässern auf, auf denen bis dahin
gar nicht gesegelt wurde.
Natürlich gab es Bestrebungen, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.
Dieter Weber hatte die Idee, für den Fühlinger See in Köln eine
Unterschriftensammlung durchzuführen, und schlug mir vor, das Gleiche
in Zülpich zu versuchen. Das war der erste Anstoß.
Für Zülpich machte eine Unterschriftensammlung aber keinen Sinn.
Wem hätte man eine solche Liste vorlegen sollen? Es war völlig unklar,
wer überhaupt für den See zuständig war. Es gab keinerlei Aufsicht.
Unter uns Surfern kursierte das Gerücht, dass der See nicht öffentlich
war und irgendwann mit dem Einschreiten einer Ordnungsbehörde gerechnet
werden musste.
Als ich an diesem schönen Nachmittag am Ufer herumlief und die
Gründung eines Vereins als Interessenvertretung zur Diskussion stellte,
stieß ich bei einem Teil der Anwesenden auf Ablehnung. Windsurfen war
kostenlos, und man hatte die berechtigte Sorge, dass sich das durch einen
am See etablierten Verein ändern könnte.
Andererseits hielt ich es für illusorisch zu glauben, dass sich die
traumhafte Situation über einen längeren Zeitraum nicht ändern würde.
Irgendjemand musste der Besitzer des Zülpicher Sees sein und würde
irgendwann einschreiten. Um diese Dinge zu klären, hielt ich die
Organisation der Windsurfer in einer Interessenvertretung beziehungsweise
einem Verein für sinnvoll.
Es gelang mir, ein paar Leute an einem Zelt zusammenzutrommeln, das der
Apotheker Nacken aus Brühl für das Wochenende am Ufer aufgebaut hatte.
Ein Jurist aus Bensberg erklärte uns, was man für eine Vereinsgründung
benötigte: sieben Gründungsmitglieder, eine Satzung und einen Vorstand.
Okay, das bekamen wir hin.
7
Gründungsmitglieder waren erforderlich
120
Teilnehmer kamen zur ersten großen Präsentation
5 DM
betrug später der symbolische Kaufpreis für den See
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15. Oktober 1976
Die RWSG beginnt mit ihrer Interessenvertretung
Die RWSG ging an den Start und begann konzentriert mit der
Interessenvertretung.
Die erste Aktion war eine Präsentation unseres Sportes für die obere
Forstbehörde und die Stadt Brühl auf dem Bleibtreu-See am 15. Oktober 1976,
also tief im Herbst. Wir machten überall Werbung und rechneten mit etwa
20 Teilnehmern. Es kamen sage und schreibe 120!
Nachdem wir in Brühl und Köln beim Sport- und Bäderamt offene Türen
eingerannt hatten, nahmen wir uns als überregionaler Verein den Zülpicher
See vor. Jetzt wurde es interessant. Zu unserer Enttäuschung reagierte die
Stadt auf keines unserer Schreiben.
Was wir nicht wussten, war die Tatsache, dass die Stadt selbst völlig
ratlos war. Der See gehörte nicht ihr, sondern einer privaten Firma,
der Victor Rolff KG, die dort Braunkohle abgebaut hatte. Das Auffüllen
der Grube mit Wasser über einen Bach war Teil der Rekultivierung, zu der
die Firma verpflichtet war.
Victor Rolff war CDU-Mitglied und lebte zurückgezogen auf einer Wasserburg
in Vettweiß. Die Stadt Zülpich war SPD-regiert, und es gab keinerlei Kontakt
zwischen Victor Rolff und beiden Seiten.
Es wurde uns schnell klar, an wen wir uns zu wenden hatten. Ein Verwandter
meines Vaters war der berühmte Otto Maigler, nach dem der See in Hürth
benannt ist. Seine Tochter war meine Patentante. Beide zählten zum engeren
Bekanntenkreis von Victor Rolff. Schnell bekam ich die Informationen,
die ich brauchte.
Wir brauchten Unterstützung durch die CDU, nicht durch die Stadt Zülpich.
Der Vater von Ulli Müller-Frank war Bürgermeister von Bensberg und
prominentes CDU-Mitglied. Er aktivierte den Bundestagsabgeordneten der
Region, ebenfalls CDU. Beide schrieben Victor Rolff an und machten sich
zu unseren Fürsprechern.
Der Erfolg war sensationell. Wir erhielten eine Einladung zum
Grundstücksverwalter der Firma, Herrn Gilka. Dieser Termin wurde sorgfältig
vorbereitet und war ein voller Erfolg. Herr Gilka setzte sich fortan für
uns Windsurfer ein.
„Victor Rolff bot mir zum symbolischen Preis von 5 DM die Übernahme des
Zülpicher Sees mit allen Uferbereichen und Gebäuden an.“
Dr. med. Alexander Maucher über das überraschende Telefonat im November 1976
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November 1976
Ein persönlicher Anruf und eine einmalige Chance
Jetzt kommt eine wirklich unglaubliche Geschichte. An einem Nachmittag
im November erhielt ich während der Arbeit im Krankenhaus Porz einen
Telefonanruf von Victor Rolff persönlich.
Wir haben uns eine Stunde lang sehr nett unterhalten. Herr Rolff,
damals etwa 45 Jahre alt, erzählte mir von den Problemen, die er mit dem
Rückbau seiner Braunkohlenfirma hatte. Das Telefonat endete mit einer
Sensation: Victor Rolff bot mir zum symbolischen Preis von 5 DM die
Übernahme des Zülpicher Sees mit allen Uferbereichen und Gebäuden an.
Diese Geschichte glaubt mir heute, 50 Jahre später, kaum noch jemand,
aber sie ist tatsächlich wahr. Vorbei an der Stadt Zülpich und allen
Behörden sollte die Rheinische Windsurfing Gemeinschaft e. V. der erste
Surf- oder Segelclub der Welt mit einem eigenen See werden.
Was bewegte Herrn Rolff zu diesem unglaublichen Schritt? Er hat es mir
genau erklärt. Man wollte die Braunkohlenfirma zum Abschluss bringen und
wurde durch die Landschaftsschutzbehörden zu allerlei verpflichtet.
Die RWSG würde mit dem Kauf des Sees und des Ufers mit allen Gebäuden
vertraglich auch alle Verpflichtungen der Victor Rolff KG übernehmen.
Was für eine einmalige Chance!
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Die Entscheidung der Mitgliederversammlung
Ich hätte als erster Vorsitzender das Recht gehabt, im Namen des Vereins
einfach zu unterschreiben. Mir war aber klar, dass die Verwaltung eines
solch großen Gewässers und seiner Ufer eine Menge Verantwortung bedeuten
würde. So beschloss ich, die Zustimmung einer Mitgliederversammlung
einzuholen.
Die Abstimmung verlief sehr hitzig und kontrovers. Am Ende wurde das
Angebot von Victor Rolff mit wenigen Stimmen abgelehnt.
Bis heute bin ich trotz der günstigen Entwicklung in den zurückliegenden
50 Jahren der Meinung, dass dies ein riesiger Fehler war.
Eine Entscheidung mit Folgen
Fortan bezahlten wir jährlich eine Pacht von vielen tausend Euro, statt
vom Segelclub und dem Angelsportclub eine Pacht einzuziehen. Fast wäre
auf dem See eine Wasserskianlage installiert worden. Jahrzehnte später
erwarb die Stadt Zülpich den See für zwei Millionen Euro.
AM
Dr. med. Alexander Maucher
Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der RWSG